Alfons Pressnitz - Ölbilder


WORKS, Alfons Pressnitz

This website presents a series of paintings and collages, which question the notion of idyllic both in its landscape and home appearances. The idyllic is here presented through an escapist prism; it is an expression of a contemporary discontent connected with a feeling of personal disturbance or a societal disharmony. It carries with itself a quest for harmony and is envisaged as an unreal moment, connected to an ideal that cannot be attained. The question of idyllic is thereby calling for a number of other references, such as the division between nature and culture. This cleavage lies in the foundation of my work, as it refers to great questions of social development; it has inspired a number of different representations of idyllic and utopian places in the past and the pursuit thereof. It has also profoundly changed our relationship towards nature and our mind’s eye of landscape as an idyllic space.

However, the image of idyllic goes beyond the visualization created purely by our imagination. It is also projected onto real life, for instance in the form of idyllic family houses, which stand as a symbol for an ideal place of harmony. The representation of idyllic we have these days is unquestionably the result of media-influenced presentation forms. We do not develop these projections only as an outcome of our own personal desires; these images are communicated upon us.

My paintings aim at presenting the various appearances of idyllic, which are ruptured by different unexpected elements. Static structures and ideas are confronted with a process of change, of transformation. Additionally, I take fragments of landscapes to create imaginary landscapes in my collages by using photographic material from different sources: broken peaces of arcadia, shown as constructions reappearing from seemingly untouched landscapes.



ARBEITEN, Alfons Pressnitz

Diese Website präsentiert Malereien und Collagen, die den Begriff des Idyllischen in der Darstellung von Landschaft und am häuslichen Ideal befragen. Die Idylle stellt eine Art von Wirklichkeitsflucht dar, die Ausdruck einer gegenwärtigen Unzufriedenheit ist und mit einer gesellschaftlichen oder persönlichen Disharmonie zusammenhängt. Sie transportiert Sehnsuchtsvorstellungen nach einer Harmonie, die der Alltäglichkeit entgegenstehen. Die Idylle präsentiert sich als unwirklicher Zustand, da sie an perfekte Bedingungen geknüpft ist, die sich in der Realität nicht verwirklichen lassen können. In ihrer Erscheinung kann sie zahlreiche Ausformungen annehmen und Bezugspunkte zu unterschiedlichen gesellschaftlichen Fragestellungen herstellen, wie jene nach der Ursache einer Trennung von Kultur und Natur. Diese Trennung stellt einen Ausgangspunkt meiner Arbeit dar, da sie ein in der gesellschaftlichen Entwicklung tief verwurzeltes Problem ist, das scheinbar die Entstehung zahlreicher Motive idyllisch verklärter und utopischer Orte nach sich zog und das Verlangen nach ihnen aufrecht erhielt. Weiteres hat sie unser Verhältnis zur Natur und unsere Vorstellung von Landschaft als idyllischen Ort intensiv geprägt und tut es nach wie vor.

Während die Idylle anfangs an einem unwirklichen Ort in der Landschaft versinnbildlicht wurde, entwickelte sich die Idee des Idyllischen zu einem Sinnbild für Sehnsuchtsvorstellungen, das auch an realen Orten Projektionen fand. Das Haus, die häusliche Idylle, als Sinnbild für Harmonie und Glück, stellt eine weiteres zentrales Motiv meiner Arbeit dar. Die Vorstellungen, die wir heute von einem idyllischen Ort in uns tragen, oder die Idylle die wir mit diversen Orten, wie der Landschaft, verbinden entspringen Konstruktionen, die einer langen Bildtradition folgen und die durch mediale Vermittlung beeinflusst sind. Wir entwickeln diese Projektionen nicht allein durch unsere persönlichen Bedürfnisse, sondern bekommen diese Bilder ebenso vermittelt.

In den Malereien steht die Dekonstruktion der Landschaftsidylle und der häuslichen Idylle im Vordergrund. Beständige Strukturen und Ideen werden veränderlichen Prozessen gegenübergestellt. Szenarien von scheinbar unberührten Orten werden gestört und trügerische Momente werden an die Oberfläche getragen. Was sind die Auslöser dieses Idealbildes? Der geschützte Ort unserer Vorstellungen ist in bedrohliche Situationen verlagert, wodurch gesellschaftliche und psychologische Fragestellungen auftauchen. Das Einfamilienhaus steht für die traditionelle Struktur der Familie und ihr gesellschaftlich dominiertes Bild und wird in der Darstellung befragt und dekonstruiert. Das Bild einer unberührten Landschaft wird durch Werbung vermittelt, und ist durch die Entwicklung der Landschaftsmalerei geprägt, jedoch wird Gefährliches und Unangenehmes ausgeblendet.

Die Collagen stellen Fragmente landschaftlicher Erscheinungen dar, die aus photographischem Bildmaterial zusammengestellt sind. Sie erscheinen wie Bruchstücke Arkadiens und zeigen sich als Konstruktionen von scheinbar unberührten Landschaften. Kollektives Bildmaterial aus dem Internet und aus Zeitschriften zeigen ein kollektives Bild von Landschaft, das in den Collagen überarbeitet wird und den Einfluss medialer Bilder auf unser Verständnis von Landschaft verarbeitet.

Man muss kein Schönheitschirurg sein, um mit dem Messer über Idealbilder nachzudenken, Bianca Regl

Messer, Pinsel, Schere, Licht: Alfons Pressnitz operiert am Zwischenraum der Katastrophe. Er hat in den letzten Jahren mehrmals sein Werkzeug gewechselt: hat sich, ausgehend von der Zeichnung, über die Malerei, der Collage zugewandt und ist schlussendlich und vorerst am Papierschnitt angekommen, um die immer gleiche Fragestellung zu untersuchen. Alfons Pressnitz misstraut der Idylle.

So schnipselte er die letzten Jahre am Seziertisch seines Wiener Ateliers schonungslos an der postkarten-gleichen österreichisch-arkadischen Landschaft. Riss sie auseinander, um sie neu zusammenzukleben zu Bildern, die von einer monströsen Vertrautheit sind: Ein übersteigertes Ideal zart zusammengesetzt zu einem verletzlichen Ganzen, welches alle wünschenswerten Charakterzüge auf einmal tragen soll. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass Dinge verrutschen, nicht ganz festsitzen, sich verselbständigen. Alfons Pressnitz misstraut auch dem Ideal.

Sein bislang letztes Ölbild zeigt ein Fenster. Denn: kaum ist er aus Österreich weg, hat er in Berlin die Innenperspektive gewählt. In seinen neuesten Arbeiten, den Papierschnitten, fehlen mit scharfer Klinge ausgelöste Innenräume in großem schwarzen Papier. Aus dunklen Blättern taucht zerbrochenes Glas, verrottende Aktenschränke verweisen auf eine ehemalige, jetzt überflüssige Funktion, vermüllte Büroräume zeugen von der Zeit, nachdem die organisierende und archivierende Gesellschaft ihre triste Bühne verlassen hat. Die dargestellte Architektur beschreibt eine Beständigkeit, die zwar vom Menschen geschaffen ist, sich aber nach dessen Verschwinden eigenständig macht; sie überlebt still ihre eigentliche Bestimmung und wird zum Denkmal einer bereits vergilbten gesellschaftlichen Methodik, eine überflüssige, verstaubte, unbeachtete Erinnerung, die sich dem jetzt stur durch ihre physische Präsenz und ihren vergleichsweise entschleunigten Alterungsprozess widersetzt.

In seinen Fensterobjekten, fein aus Karton geschnitzt und anschließend in die Wand eingelassen, geht Pressnitz noch einen Schritt weiter - ihnen ist die Vergänglichkeit bereits inhärent, das papierne Glas war nie intakt, und die Fragilität des Kartons unterstreicht die Transienz sowohl des repräsentierten als auch des tatsächlichen Objekts.

Aber Alfons Pressnitz ist kein Pessimist, kein bernhardscher Lästerer oder Weltuntergangsschreier, sondern eher ein melancholischer Chirurg. In seinen Arbeiten fehlt die Wut genauso wie die Glasscherben im Papier. Das Entfernen ist für ihn gleichbedeutend mit dem Konstruieren, die Transzendenz der bedrohlichen Umwelt beruhigend. Seine Arbeit ist freundlich, korrekt und sauber und in einem Interview erklärt er sachlich, dass Zerstörung Ordnung brauche. Das vergebliche menschliche Bemühen, die Natur zu beherrschen und die Geschichte zu konservieren, wird in seiner Arbeit erstaunlich angstfrei behandelt. Seine Desaster haben die zerstörerische Kraft bereits verlebt. Es scheint, als wären sie ein Spezimen aus einem Herbarium: fürsorglich aufgesammelt, desinfiziert und aufbewahrt.

Die Sinnlosigkeit des gesamtgesellschaftlichen Unterfangens der Kontrolle evoziert keine Verzweiflung, sondern begegnet uns im Kontrast als leise, aber deswegen nicht weniger kraftvolle, Selbstverständlichkeit, doppelt unterstrichen durch den formalen Charakter der Arbeit selbst.

Alfons Pressnitz ist, wenn er seine Welt mit exaktem Messer wegseziert und dadurch erschafft, ein sympathischer Gott (in Weiß), der jedoch keinerlei Heilung verspricht; die Aussicht auf ein Paradies fehlt - natürlicherweise. Seine Welt ist eine schöne Aneinanderreihung von schwarz-weißen unschönen Tatsachen und für eine Postkarte gänzlich ungeeignet.

Das Unbewusste der Natur, Felix Steininger

Es ist nicht die erhabene Natur oder die Empfindung des Subjekts gegenüber einer Landschaft, noch sind es pittoreske Stadtansichten, die Alfons Pressnitz interessieren. Der Künstler nähert sich seinen Sujets über das Medium der Fotografie: Bildbände, Zeitschriften oder Postkarten liefern ihm das Rohmaterial, das eine über Jahrzehnte geprägte Vorstellung von Mensch und Natur in sich birgt. Dieses in konventionellen Landschafts-darstellungen enthaltene Sediment erfährt in seinen Collagen und großformatigen Öl- und Acrylbildern eine besondere Bearbeitung.

Felsformationen, Bergseen und Architekturen behalten zwar durch die fotorealistische Darstellung ihren jeweils eigenen, in den Vorlagen schon angelegten optischen Reiz. Durch Isolierung, Kontrastierung und kompositorische Arrangements erhalten sie aber unversehens eine unheimliche Anmutung. Auch die Fotocollagen zeigen so plötzlich inselartig enge, bedrohliche Lebensräume. Dabei bleiben die einzelnen Ausschnitte wie Puzzelteile erkennbar und legen das Trugbild arkadischer Landschaften frei.

Auf der Ebene der Bilderzählung verstärkt der fotografisch-dokumentarische Blick die Wirkung der Szenarien. Sie zeugen bei näherem Hinsehen von anonymer Bedrohung, unvorhersehbaren Naturkatastrophen und tragischen Unfällen. Einen konkreten Hinweis auf die Ursachen hinter dem Geschehen erhält der Betrachter nicht. Hier untergräbt Pressnitz unsere Sehgewohnheiten und hinterfragt damit die medial verbreiteten und von Harmonie geprägten Naturvorstellungen. Auf seine lust- und humorvolle Weise schildert der Maler gleichsam das "Unbewusste der Natur".
Ein oft wiederkehrendes Motiv sind Häuser, die wie Fremdkörper in der Landschaft platziert und im Begriff sind, von der Natur zurückerobert zu werden. Der Ort der Geborgenheit bietet plötzlich keinen Schutz mehr. Damit stellt der Künstler auch gesellschaftliche Strukturen und Werte, die traditionell mit Eigenheimen in Verbindung gebracht werden, in Frage.

Shadow and Light, Alfons Pressnitz

Paper cuts and objects are attempting at an investigation of various kinds of spaces. They reflect a particular understanding of history and construction of facts, based on a counterpoint where the temporal (the past in all its aspects) and spatial (the spaces where history is either saved from oblivion or exposed to it) meet and interact. Can history be fully preserved? Do the spaces for its preservation offer a holistic picture of what happened in the past? Does their interaction end up in order or in chaos? Is the attempt worth our while? The answers are not at hand. The history and its interpretration are unavoidably subjective and always linked to personal experience. The abandoned buildings in the former GDR, which were left behind by their owners, are but the most evident example of temporal leaving its footsteps in spatial.

My artwork is yet another subjetive look into these questions. I construct two- and three-dimensional objects based on photographic material. Representations of archives, office buildings and private spaces or fragments thereof are cut out from black paper. The interplay between shadow and light is the vehicle of this conjunction. The three-dimensional objects are windows made of cardboard and are at times placed into the walls. They invite the viewer to look behind, facing in fact just a black box set into the wall behind the window. An illusion of abstract void is resembling the past and the way we view it from the present.